Ganz plötzlich, ohne Vorwarnung, wird das Leben, wie man es kannte, auf den Kopf gestellt. In diesem einen Moment scheint alles still zu stehen und sich doch rasend schnell zu bewegen. Die Diagnose Krebs ist einschneidend. Für viele Betroffene bricht eine Welt zusammen. Muss ich sterben? Kann der Krebs therapiert werden? Wie soll ich das schaffen? Es sind Gedanken, die zermürben.
Diagnose: Krebs. Vertrauen in Ärzt:innen, die Krebsmedizin und die eigene Stärke sind entscheidend
Dass Erkrankte und deren Angehörige mit dieser existenziellen Diagnose nicht allein gelassen werden und Hoffnung besteht, erklären Univ.-Prof. Dominik Wolf, Univ.-Prof.in Dr.in Ute Ganswindt und Univ.-Prof.in Dr.in Isabel Heidegger-Pircher von den tirol kliniken während der Plenumsdiskussion bei den 27. Tiroler Gesundheitsgesprächen. Präsentiert wurden nicht nur die neuesten Fortschritte der Krebsmedizin, es wurde auch ein deutliches Statement gesetzt: Krebs ist komplex und kann nur im Team bekämpft werden. Das Vertrauen in die Kompetenz der Ärzt:innen, die Medizin und die eigene Stärke ist maßgeblich für die Therapie.

Bei der Plenumsdiskussion. V. l.: ORF Moderatorin Barbra Kohla, Univ.- Prof. Dr. Dominik Wolf, ORF Tirol Journalist Robert Schuler.
Wir wollen signalisieren, dass wir als Team, als Ärzteschaft die, die Spezialisierung haben im Bereich der Krebsmedizin, für Sie da sind, um Ängste abzubauen.
Univ.-Prof. Dr. Dominik Wolf, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin 5, Hämatologie und Onkologie
Der Umgang mit der persönlichen Krebsdiagnose
Die Diagnose Krebs ist für viele Patient:innen erschütternd. Ungewissheit und Überforderung sind häufige und ernst zu nehmende Begleiterscheinungen des Befundes. Das Leben nimmt eine 180 Grad Wende, Existenzängste und Verzweiflung prägen vor allem die erste Zeit. So erging es auch Robert Schuler. Der ORF Tirol Journalist lebt seit mittlerweile 9 Jahren mit Lungenkrebs, erinnert sich jedoch noch gut an seine Ängste direkt nach dem Zufallsbefund. „Das kann nicht sein, das glaub ich nicht. Wie sag ich es meinem 6-jährigen Sohn? Wie kann ich mein Leben so leben, dass niemand etwas merkt“, waren die ersten Gedanken, die Robert Schuler nach seiner Krebsdiagnose hatte.
Das Überwinden der ersten Hürde: Über die Krankheit sprechen
Für viele Patient:innen besteht die erste große Hürde von Krebs darin, über die Krankheit zu sprechen. Dabei ist vor allem der offene Umgang mit der Erkrankung, Gespräche und das Einholen von fundierten Informationen wichtig, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Ute Ganswindt, Direktorin der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Radiologie in Innsbruck.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Vereinte Expertise gegen Krebs
Um Krebs bestmöglich therapieren zu können, ist interdisziplinäre Zusammenarbeit, also das koordinierte Handeln von verschiedensten Fachabteilungen, entscheidend. Strahlentherapie, Urologie, Onkologie, Pathologie, Nuklearmediziner und viele weitere: die Abstimmung mit Kolleg:innen ist wegweisend.
Der Krebs arbeitet im Netzwerk, also müssen wir es auch tun. Das Verständnis und eine optimale Therapieentscheidung kann nur funktionieren, wenn zwischen den Fachdisziplinen Austausch herrscht.
Univ.-Prof. Dr. Prof. Dominik Wolf
Das A und O in der Krebstherapie: Transparenz
Von der Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen profitieren Patient:innen ungemein. Für viele Patient:innen ist im Umgang mit der Erkrankung vor allem Transparenz über den Therapieablauf wichtig. Zu wissen, dass sich zahlreiche Ärzt:innen über die nächsten Schritte beraten, um das individuell bestmögliche Ergebnis zu erzielen, kann Ängste mindern und sowohl Patient:innen als auch Angehörigen mehr Sicherheit und Stabilität geben.
Krebstherapie im Wandel: Meilensteine der Diagnostik
Neben der mittlerweile zum Standard gewordenen Einbindung von Psychoonkolog:innen hat sich dank modernster Technik auch inhaltlich ein bedeutender Fortschritt in der Krebsdiagnostik und -therapie vollzogen.
Gezielte Krebsdiagnostik durch fortgeschrittene Bildgebung
Ein PET-CT (Positronen-Emissions-Tomographie kombiniert mit Computertomographie) kann mithilfe von speziellen Markern gezielt Tumorzellen darstellen. Auch die Schnittbildgebung, die MR-Diagnostik (Magnetresonanz-Diagnostik) und CT-Diagnostik (Computertomographie-Diagnostik) haben sich wesentlich weiterentwickelt und liefern umfangreichere Informationen zur Erkrankung.
Gerade am Anfang ist bei jedem Patienten eine wesentlich bessere Bestandsaufnahme möglich als früher.
Univ.-Prof.in Dr.in Ute Ganswindt, Direktorin der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Radiologie in Innsbruck
Innovative Diagnostik: Maßgeschneiderte Krebstherapie
Darüber hinaus können Gewebeproben heute mit vielen Markern untersucht werden. Dieses Analyseerfahren hilft dabei, eine auf Patient:innen maßgeschneiderte Krebstherapie auszuwählen und die Behandlung noch gezielter auf jeden Patienten abzustimmen.
Für Prostatakrebs gibt es mittlerweile beispielsweise einen Bluttest, der eine frühe Erkennung der Erkrankung erlaubt und rechtszeitiges therapeutischen Eingreifen möglich macht.
Personalisierte Medizin: Der Gamechanger in der Krebstherapie
Die verbesserte Diagnostik schafft die Grundlage für maßgeschneiderte Behandlungsstrategien. Es gibt beispielsweise Tumorarten, bei denen eine Chemotherapie nicht sinnhaft ist, da sie keine Wirkung auf die pathogenen Zellen hat. Durch die präzise Untersuchungsmethoden lassen sich solche Tumoren gezielt erkennen, was Patient:innen vor unnötigen, belastenden und nebenwirkungsreichen Behandlungen bewahrt.
Zudem gibt es Krebsarten, bei denen keine Therapie, sondern nur eine engmaschige Kontrolle benötigt wird. In diese Kategorie fällt beispielsweise der nicht bösartige Prostatakrebs, wie Univ.-Prof.in Dr.in Isabel Heidegger-Pircher berichtet. „Es geht darum, nicht wirksame und nebenwirkungsbehaftete Therapien zu vermeiden“, betont Univ.-Prof. Dr. Wolf.
Die moderne Krebsmedizin: zielgerichtet, wirksam, nebenwirkungsarm
Sollten dennoch Nebenwirkungen auftreten gilt: offene und frühzeitige Kommunikation mit den behandelnden Ärzt:innen ist entscheidend. Durch Begleitmedikamente, eine Anpassung der Dosierung oder therapeutische Modulation können zahlreiche Nebenwirkungen mittlerweile wirksam abgemildert werden.

Krebs therapieren: präzise, schonend und effizient
Neben der diagnostischen Weiterentwicklung haben sich auch in der Therapie von Krebs bedeutende Schritte getan. Die Chirurgie und Strahlentherapie werden immer präziser und schonender. Robotergestützte Systeme ermöglichen minimalinvasive Eingriffe, die den Körper deutlich weniger belasten.
Auch die Strahlentherapie profitiert von Digitalisierung und verbesserter Bildgebung, beispielsweise durch PET-gestützte Verfahren. Gesundes Gewebe kann mittlerweile gezielter geschont werden, während jede Behandlungssitzung individuell überprüft und die Strahlentherapie millimetergenau angepasst wird.
Multimodale Therapie im individuellen Einsatz gegen den Krebs
Die multimodale Therapie bestehend aus der Kombination aus Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung, trägt zusätzlich dazu bei, die Überlebenschance zu erhöhen und gleichzeitig Nebenwirkungen zu reduzieren.
Diese präzise und individuelle Planung der Therapie führt bei Patient:innen insgesamt zu schonenderen und wirksameren Behandlungsergebnissen.
Ausblick: Die Zukunft der Krebsbehandlung
Die Zukunft der Krebsbehandlung liegt in der Möglichkeit, Tumoren bis in die kleinste Zelle immer genauer untersuchen zu können. Je besser sich Krebsarten in einzelne Untergruppen einteilen lassen, desto gezielter können die Therapien auf die Patient:innen abgestimmt werden. So könnte es in Zukunft möglich sein, dass manche Patient:innen mit deutlich niedrigeren Medikamentendosen auskommen und das bei gleichbleibender oder sogar besserer Wirkung.


