In Tirol werden jährlich rund 38.000 Blutkonserven gespendet. Diese werden auf der Blutbank Innsbruck der tirol kliniken aufbereitet, die als Zentralversorger für ganz Tirol fungiert und bei Engpässen auch andere Bundesländer beliefert. Das gespendete Blut wird dort unter höchsten Qualitätsstandards zu verschiedenen Blutprodukten weiterverarbeitet, um Patient:innen zu versorgen.
Notfallmedikament Blut
Bei Unfällen, Operationen oder schweren Erkrankungen kommt Blut als Notfallmedikament zum Einsatz. Blut gilt als Arzneimittel und ist nicht künstlich herstellbar, sondern nur durch Spender:innen zu gewinnen. Rund 6 % der Tiroler:innen spenden regelmäßig Blut, damit liegt das Bundesland leicht über dem österreichischen Durchschnitt. Damit dieser hochrelevante Prozess funktioniert, arbeitet das Zentralinstitut für Bluttransfusion und Immunologische Abteilung (ZIB) der tirol kliniken, wie die Blutbank offiziell heißt, eng mit dem Blutspendedienst Tirol des Österreichischen Roten Kreuzes zusammen.
Höchste Sicherheitsstandards von der Spende bis zur Transfusion
Die Sicherheit von Spender:in und Empfänger:in hat höchste Priorität. Bevor aus Blut hergestellte Produkte an Patient:innen verabreicht werden können, müssen umfangreiche Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Getestet wird neben der Blutgruppe auch auf mögliche durch Blut übertragbare Infektionen, wie HIV, Hepatitis A, B & C, Syphilis, Parvovirus B19 und saisonal auch auf das West-Nil-Virus.
„Unsere Qualitätsstandards und Hygienevorschriften gelten nicht nur auf der Blutbank, sondern umfassen auch jede einzelne der mobilen Blutspendeaktionen des Roten Kreuzes Tirol. Der gesamte Prozess, von der Blutspende bis hin zum fertigen Blutprodukt, wird streng kontrolliert,“ berichtet Pharmazeutin Anita Siller. Sie ist hauptverantwortlich für die Qualitätssicherung und -kontrolle in der Blutbank, die untrennbar mit der Herstellung von Blutprodukten verbunden ist.
Vom Vollblut zum spezialisierten Blutprodukt
An der Innsbrucker Blutbank werden verschiedene Konzentrate aus dem gespendeten Vollblut aufbereitet: Erythrozytenkonzentrate, Thrombozytenkonzentrate oder Plasma. „Nachdem eine Blutspende bei uns ankommt, wird das Blut gefiltert, zentrifugiert und in seine Bestandteile aufgetrennt“, erklärt Oberarzt Marco Amato, Leiter der Herstellung an der Blutbank. Was dabei herauskommt, wird als Blutprodukt bezeichnet.

Die Erythozytenkonzentrate werden im Kühlraum gelagert.
Foto: Gerhard Berger
Zertifiziertes Qualitätsmanagement
Die Herstellung der Blutprodukte unterliegt ähnlich strengen Auflagen und Regularien wie in einem pharmazeutischen Betrieb und sie ist durch die internationalen Vorgaben der Good Manufacturing Practice (GMP) geregelt. Diese Leitlinien erfordern höchste Sorgfalt im Bereich der Herstellung, Weiterverarbeitung, Lagerung und Qualitätskontrolle der Konserven. Die Innsbrucker Blutbank setzt seit Jahrzehnten auf strukturiertes Qualitätsmanagement und war eine der ersten in Europa, die vor fast 30 Jahren nach ISO-9001 zertifiziert wurde.

Pharmazeutin Anita Siller bei der Überprüfung der Thrombozytenkonzentrate. (c) tirol kliniken/Monthaler
Moderne PCR-Labordiagnostik für maximale Sicherheit
Neben der Herstellung von Blutprodukten betreibt die Blutbank auch eine umfangreiche Labordiagnostik und führt serologische Tests auf Infektionserreger und Blutbildanalysen für alle Spender:innen durch. Um die Unabhängigkeit des Standorts in Innsbruck weiter zu stärken, auf neu auftretende Krankheitserreger schnell reagieren zu können und Prozesse zu beschleunigen, entsteht derzeit im Institutsgebäude ein neuer Laborbereich für die Blutspendendiagnostik, mit einem vollautomatisierten System zum molekularen Nachweis von Viren und anderen Krankheitserregern in Blutspenden mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR).
Bisher wurden die PCR-Untersuchungen an ein externes, eigens dafür zugelassenes Labor ausgelagert. Nach einer mehrmonatigen Planungs-, Umbau- und Validierungsphase können diese Untersuchungen schon bald von Anita Siller und ihrem Team vor Ort durchgeführt werden. „Gerade die PCR-Tests ermöglichen einen besonders frühzeitigen Nachweis von Krankheitserregern, auch bei asymptomatischen Spender:innen und können so das Risiko für potenzielle Übertragungen auf Patient:innen stark minimieren,“ erklärt Anita Siller.

OA Marco Amato (Leitung Blutprodukteherstellung und designierter Leiter der Blutbank Innsbruck, Pharmazeutin Anita Siller (Leitung Qualitätssicherung Blutbank Innsbruck) und Primar Harald Schennach.
Foto: tirol kliniken/Monthaler
Mehr als Blutkonserven: Innovative Therapien aus Innsbruck
Das Portfolio der Blutbank reicht weit über die Erzeugung klassischer Blutprodukte hinaus. So stellt das Institut auch Serum-Augentropfen her und ist eng in die Stammzell- und Transplantationsvorbereitung eingebunden. Innovationsgeist beweisen die Innsbrucker:innen insbesondere bei der Umsetzung moderner Krebsbehandlungen. „Wir stellen aus patienteneigenen Immunzellen CAR-T-Zellen her. Diese werden genetisch verändert und zählen zu den Advanced Therapy Medicinal Products, also Arzneimittel für neuartige Therapien “, berichtet Institutsleiter Harald Schennach.
Engagement, Expertise und Führungswechsel
All diese technologischen Weiterentwicklungen und höchsten Qualitätsstandards sind nur durch das große Engagement und die hohe Expertise der Mitarbeiter:innen möglich, wie Schennach betont. Dies wird auch außerhalb der Blutbank wahrgenommen: Vor kurzem wurde Anita Siller für den Brigitte-Bierlein-Preis nominiert. Mit diesem Preis werden erfolgreiche Frauen unter 35 Jahren ausgezeichnet, die mit ihren herausragenden unternehmerischen und innovatorischen Leistungen überzeugen.
Im Jahr 2026 stehen mit dem bevorstehenden Pensionsantritt von Dr. Harald Schennach für die Blutbank große Veränderungen an. Die Nachfolge ist bereits geregelt: Marco Amato, der seit Jahren maßgeblich für die Herstellung und Weiterentwicklung von Blutprodukten verantwortlich ist, übernimmt mit November die Leitung des ZIB. Schon bisher hat er mehrere innovative Projekte initiiert und vorangetrieben, wie zum Beispiel die kontinuierliche Weiterentwicklung in der Herstellung zur Erhöhung der Versorgungssicherheit.

Im November 2026 übernimmt Marco Amato (links) die Leitung der Blutbank Innsbruck von Harald Schennach (rechts), der in Pension geht.
(Foto: Gerhard Berger)
Titelfoto: Gerhard Berger


