Sommerzeit ist Mückenzeit. Kaum piekst es, beginnt die Haut zu jucken, rötet sich und schwillt an. Doch warum reagiert unser Körper so heftig auf einen eigentlich kleinen Stich? Und was kann man tun, um Beschwerden zu lindern? Darüber haben wir mit Univ.-Prof. Gudrun Ratzinger, Klinikdirektorin der Innsbrucker Univ.-Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, gesprochen.
Was passiert im Körper nach einem Mückenstich?

Der Juckreiz ist keine Einbildung, sondern eine gezielte Reaktion unseres Immunsystems. Beim Stich gibt die Mücke Speichel in die Haut ab. Dieser enthält Eiweiße, auf die der Körper reagiert. Mastzellen unter der Haut schütten dabei Botenstoffe aus, die die Gefäße erweitern. Die Folge: Die Haut rötet sich, schwillt an und beginnt zu jucken.
Wie stark diese Reaktion ausfällt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. „Die Menge und Aktivität der Mastzellen variiert – deshalb wird ein Stich bei manchen deutlich größer als bei anderen“, erklärt Ratzinger.
Sieht jeder Stich gleich aus?
Nicht jede gerötete, geschwollene Hautstelle ist automatisch ein Mückenstich. Auch Bienen‑ oder Wespenstiche können ähnlich aussehen, sind in der Regel aber deutlich schmerzhafter. Ein klares Erkennungsmerkmal: Bleibt ein Stachel in der Haut zurück, handelt es sich sicher um einen Bienenstich – denn Bienen verlieren ihren Stachel beim Stechen.
Sehr selten, aber möglich, sind auch Spinnenbisse. Diese treten häufig unbemerkt auf, etwa nachts. Charakteristisch ist eine bläuliche Verfärbung der Haut. „Spinnenbisse wirken oft dramatischer, sind aber in unseren Breiten in der Regel harmlos“, so die Expertin.
Wenn es gefährlich wird: Allergische Reaktionen
Eine echte medizinische Notfallsituation stellt eine allergische Reaktion auf Bienen‑ oder Wespenstiche dar. In Österreich sterben jährlich mehrere Menschen daran. Wichtig zu wissen: Eine solche Reaktion tritt nicht beim ersten Stich auf. Vielmehr entwickelt sie sich durch wiederholte Kontakte – ein Prozess, den man Sensibilisierung nennt.
„Je öfter jemand gestochen wird, desto höher kann das Risiko für eine allergische Reaktion werden“, betont Prof. Ratzinger. Die gute Nachricht: Für Betroffene gibt es heutzutage sehr wirksame Therapien.
Was hilft bei Mückenstichen – und was besser nicht?
Am wirksamsten gegen Juckreiz und Schwellung ist Kühlen. Kalte Umschläge oder Kühlpads verengen die Gefäße, reduzieren die Entzündungsreaktion und lindern den Juckreiz. Wird frühzeitig gekühlt, kann sich der Stich oft gar nicht erst stark entwickeln.
Nicht empfohlen wird Hitze – sie verstärkt die Durchblutung und damit die Reaktion der Haut. Auch Kratzen sollte unbedingt vermieden werden: Es verzögert die Heilung, erhöht das Infektionsrisiko und kann Narben hinterlassen.

Immer wieder diskutiert werden sogenannte Hitzestifte für Mückenstiche. Sie sollen durch kurzfristige Hitze die Eiweiße im Insektenspeichel zerstören. „Der Nutzen ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt“, sagt die Klinikdirektorin. Schaden können sie zwar selten, eine gesicherte Wirkung gibt es jedoch nicht.
Woran erkennt man eine Infektion?

Kommt es zu einer Infektion, treten die Symptome meist erst einige Tage nach dem Stich auf. Typisch sind zunehmende Schmerzen, eine ausgeprägte Rötung, Schwellung und eventuell Fieber. In diesem Fall sollte rasch eine hausärztliche oder hautärztliche Abklärung erfolgen.
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