Dr. Klaus Kapelari, leitender Oberarzt, Department für Kinder-und Jugendheilkunde, Pädiatrie I

Ein Virus, das jedes Jahr seine Reise um die Welt antritt und von November bis März/April auch in unseren Breiten vermehrt vorkommt, hat zu Beginn dieser Wintersaison für gehäufte Schlagzeilen gesorgt: das RS Virus. Wir haben mit Klaus Kapelari, leitender Oberarzt an der Innsbrucker Kinderklinik, gesprochen und die wichtigsten Informationen zu dieser sehr häufigen und in manchen Fällen auch schweren Erkrankung mit seiner Hilfe zusammengefasst.

So gut wie jede Person macht diese Infektion bis zum Ende des 2. Lebensalters mindestens einmal durch. Es besteht allerdings keine andauernde Immunität. Das heißt, man kann im Laufe seines Lebens mehrfach daran erkranken. Nach dem Erstkontakt sind alle weiteren Infektionen mit dem RS Virus meist nur mehr als Erkältung wahrnehmbar. Die Durchseuchung ist bei diesem Erreger eine sehr hohe.

 

Anzeichen

Klassische Anzeichen der Erkrankung sind Schnupfen und nicht produktiver Husten (ohne Auswurf), welcher immer produktiver (mit Auswurf) wird. Bei Babys tritt im weiteren Verlauf Atemnot auf. Diese macht sich mit einer Steigerung der Atemfrequenz und dem Einsatz der Atemhilfsmuskulatur bemerkbar. Dabei ziehen die Kinder den Bereich oberhalb des Brustbeins beim Atmen tief ein, ebenso wie die seitlichen Rippenbereiche. Die Nasenflügel beginnen zu flattern, sobald ganz kleine Kinder Atemnot bekommen. Zusätzlich kommt es meist zu einer Trinkverweigerung. Hohes Fieber ist im Allgemeinen kein typisches Zeichen für das RSV.

 

Arzt

Wenn erschwerte Atmung und eine Verminderung der Trinkbereitschaft erkannt werden, sollte der nächste Weg der zur Ärztin/ zum Arzt sein. Eine Infektion mit dem RS Virus wird sehr rasch am Allgemeinzustand erkannt und gehört. Das Knistern beim Ausatmen ist ein typisches Kennzeichen.

 

Therapie

Daheim und auch im Krankenhaus kann das RS Virus nur symptomatisch therapiert werden. Das heißt, nur die Auswirkungen können behandelt werden, aber nicht die Ursache. Kochsalzlösung als Nasentropfen helfen die Atemwege so frei wie möglich zu machen, der Flüssigkeitshaushalt muss stabil gehalten werden. In ärztlicher Betreuung kann im akuten Notfall kurzzeitig ein Adrenalinspray zur Erleichterung der Atmung geben werden. Inhalieren hilft und bei Bedarf wird mit Beatmungshilfen unterstützt. In ganz schweren Fällen muss intubiert werden.

 

 

Schutz

Wirklich bewahren kann man sein Kind und sich selbst bei normalem Lebenswandel nicht vor dem RS Virus. Hochrisikopatient:innen können mit einer passiven Impfung geschützt werden, die jedoch nur wenige Wochen wirksam ist. Zu diesem Patient:innenkreis gehören Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen, angeborenen Herzfehlern oder Frühgeborene.

 

Verbreitung

Wie auch das Grippevirus verbreitet sich das RS Virus in Wellen. Auf ein Jahr mit vielen Ansteckungen folgt meist ein ruhigeres. Die Auswirkungen der strikten Einhaltung der Hygienemaßnahmen in den ersten Wellen der Covid-19 Pandemie machten sich im Spätsommer 2021 bemerkbar. Auf Grund des verpflichtenden Mund-Nasen-Schutzes, der Händehygiene und der fehlenden Kontakte steckte sich eine ganze Generation an Neugeborenen und Kleinkindern nicht in den ersten Lebensmonaten an. Diese kamen dafür im Jahr darauf (2021) mit dem Virus in Kontakt, was zu einem starken Anstieg an Infektionen und mehr stationären Aufenthalten in den Kinderkliniken bereits ab August führte.

 

Link: Kinderklinik Innsbruck

 

Fotonachweis: AdobeStock (Titelbild), Gerhard Berger (Fotos mit Kinder), tirol kliniken (Portrait)