Lungengesundheit: Die Lunge vergisst nicht.

Lungengesundheit: Die Lunge vergisst nicht.

„Die Lunge vergisst nicht“, betont Judith LöffIer-Ragg im Interview zum Thema Lungengesundheit. Sie ist Primaria der Pneumologie (Lungenheilkunde) im Krankenhaus in Natters und wird nicht müde, zur Lungenvorsorge aufzurufen. Lesen Sie „Im Gespräch“ mit der Lungenexpertin, warum Wetter und Klima unsere Lungen belasten können, wo neue Therapien ansetzen und was wir aktiv für eine gesunde Lunge tun können.

Was bedeutet „Die Lunge vergisst nicht“?

Die Gasaustauschfläche der Lunge müssen Sie sich so groß wie ein Fußballfeld vorstellen. Dadurch haben wir enorme funktionelle Reserven und spüren Schäden lange nicht. Die Einflüsse auf die Lunge summieren sich aber im Laufe des Lebens: Rauchen, Umweltschadstoffe, Staubbelastungen oder wiederkehrende Infektionen hinterlassen Spuren und führen erst mit steigendem Alter zu Symptomen. Der Schaden ist dann aber schon da. Wir müssen vor der Erkrankung für unsere Lunge sorgen, Lungengesundheit beginnt bereits in der Kindheit und Jugend.

Rauchen, Umweltschadstoffe, Staubbelastungen oder wiederkehrende Infektionen hinterlassen Spuren.

Prim.a Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg leitet die Pneumologie in Natters.
Prim.a Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Judith Löffler-Ragg leitet die Pneumologie in Natters.

Was macht die Lunge krank und was hält sie gesund?

Die oberste Empfehlung ist es, nicht zu rauchen. Wir wissen aus Untersuchungen, dass auch bei symptomfreien langjährigen Raucher:innen im Alter von 40 Jahren mit noch normaler Lungenfunktion Veränderungen bei CT-Aufnahmen sichtbar sind. Zusätzlich haben Bewegung und gesundes Essen wissenschaftlich belegt positiven Einfluss auf die Lungengesundheit. Wichtig ist es auch, Infektionen zu vermeiden – Impfungen sind also auch Lungenvorsorge. Und: Schadstoffe vermeiden, wo auch immer es geht.

Bewegung und gesundes Essen wissenschaftlich belegt positiven Einfluss auf die Lungengesundheit. Und: Nicht rauchen und Schadstoffe vermeiden, wo auch immer es geht.

Was sind die häufigsten Lungenerkrankungen in Österreich?

Zu den häufigsten Erkrankungen zählen COPD, Asthma, Lungenkrebs, Infektionen der unteren Atemwege und die Lungenfibrose. Besonders bei COPD und Lungenkrebs spielt eine langjährige Schadstoffbelastung eine wesentliche Rolle. Dazu gehören neben Tabakrauch auch berufliche Belastungen mit Staub und Schadstoffen – wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder auch in einer Tischlerei. Aber wir alle sind Schadstoffen ausgesetzt, zum Beispiel durch Verkehrs-Emissionen.

Welche Rolle spielt die Qualität der Luft, die wir täglich atmen?

Bei schweren Lungenerkrankungen wie COPD und Lungenkrebs spielen inhalative Schadstoffexpositionen eine wesentliche Rolle. Tabakrauch ist dabei der wichtigste, vermeidbare Risikofaktor. Rund 15 Prozent der Lungenkrebs- oder COPD-Betroffenen rauchen allerdings nicht.
Unter anderem trägt hier auch Luftverschmutzung zur Krankheitslast bei. In Innsbruck konnte eine
Pilotstudie Assoziationen zwischen COPD-Verschlechterungen und der Luftqualität im Winter beobachten. Wir müssen Luftschadstoffe jedenfalls langfristig bei der Lungenvorsorge mitdenken, ich erwarte mir in den kommenden Jahren auch einige neue Daten.

Wirkt sich der Klimawandel auf die Lunge aus?

Ja. Wir beobachten zunehmend, dass Umwelt- und Klimafaktoren die Lungengesundheit beeinflussen. Hitze zum Beispiel bedeutet thermischen und oxidativen Stress, Atemwege schwellen an. Bei Vorerkrankungen führt das zur Verschlechterung des Zustands. Bei langen Phasen ohne Niederschlag
bleiben auch Schadstoffe länger in der Luft. Hinzu kommen längere Pollenzeiten und veränderte Vegetationsperioden durch Klimaveränderung, das belastet Menschen mit Asthma. Wir müssen Patientinnen und Patienten über diese Zusammenhänge informieren, damit vulnerable Personen sich schützen können und zum Beispiel an Tagen mit hohen Schadstoffwerten den Aufenthalt im Freien reduzieren.

Wir beobachten zunehmend, dass Umwelt- und Klimafaktoren die Lungengesundheit beeinflussen.

Was tut sich in Sachen Therapie

Die Entwicklung geht klar in Richtung personalisierte und zielgerichtete Therapien. Ein wichtiger
Fortschritt sind sogenannte Biologika, also Antikörpertherapien, die gezielt bestimmte Entzündungsprozesse blockieren. Sie wurden zunächst für Asthma entwickelt und kommen inzwischen auch für bestimmte Patientengruppen mit COPD infrage. Die beste Wirkung hat jede Therapie aber nur bei einer frühen Diagnose.

Die beste Wirkung hat jede Therapie aber nur bei einer frühen Diagnose.

Vorsorge ist also die beste Therapie?

Definitiv. Sowohl individuell als auch gesundheitspolitisch. Wer länger als acht Wochen hustet, unter Atembeschwerden leidet oder eine ungeklärte Leistungsminderung bemerkt, sollte dies ärztlich abklären lassen. Je früher eine Diagnose, umso wirkungsvoller die Therapie. Wir erwarten eine Zunahme bei den Lungenerkrankungen durch die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft und die an gesprochenen Klimaveränderungen und damit verbundenen, steigenden Schadstoffbelastungen. Auch für unser Gesundheitssystem sind des halb Prävention und entsprechende Früherkennungsmodelle entscheidend.

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Das Interview mit Primaria Judith Löffler-Ragg ist im Herbst 2026 in der HOCH³-Ausgabe „Luft“ erschienen. Viermal im Jahr erscheint das Magazin HOCH³ und erzählt Geschichten der Menschen in den tirol kliniken und gibt Einblicke hinter die Kulissen des Krankenhausalltags. Alle Ausgaben finden Sie im HOCH³-Archiv.

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