Faszination OP: Die Profis, ein Patient und ein neues Hüftgelenk.

Faszination OP: Die Profis, ein Patient und ein neues Hüftgelenk.

Herr Steiner* ist 68 Jahre alt. Die Hüfte – jahrelang gequält von Arthrose – lässt kaum noch Bewegung zu. Heute bekommt er im LKH Hall eine Hüft-Totalendoprothese (kurz Hüft-TEP). Eine große Operation und eine noch größere Vertrauensfrage. Während Herr Steiner noch in seinem Zimmer ist, wuselt es im OP-Trakt bereits. Punkt 7.15 Uhr beginnt die Morgenbesprechung.

OP DGKP Wolfgang, unsere Pflegeleitung, hat alle versammelt. Welche Operationen stehen an, worauf gilt es zu achten, wer ist für was zuständig.

Was einem sofort ins Auge sticht: Wie kollegial und freundlich alle miteinander umgehen. Nach der Lagebesprechung geht es auch schon an die Arbeit.

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© tirol kliniken / Lisa Sistad

OP DGKP, OTA oder Operationsassistenz – Wer macht was im OP?

Es ist 07:30 Uhr – während Herr Steiner auf der Station für die Operation vorbereitet wird, bereitet Anna, Operationsassistentin, bereits alle benötigten Materialien vor und kümmert sich um die Vorbereitung des OP-Saals.

Operationsassistenz – die unterstützende Kraft im Hintergrund

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© tirol kliniken / Lisa Sistad

Als Operationsassistenz hat Anna ein klar umrissenes Tätigkeitsfeld und übernimmt vor allem unterstützende und vorbereitende Aufgaben. Sie trägt zum reibungslosen Ablauf bei und hilft unterstützend bei Eingriffen.

Typische Aufgaben:

  • Assistenztätigkeiten bei operativen Eingriffen
  • Patient:innen prä- und postoperativ vorbereiten und betreuen sowie in den OP ein- und ausschleusen entsprechend geltender Richtlinien, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Patient:innen
  • OP-Saal für Operationen auf- und nachrüsten sowie Durchführung von Desinfektionsmaßnahmen entsprechend interner Vorgaben und Hygienerichtlinien
  • Bereitstellung, Bedienung, Wartung und Aufbereitung von Geräten, Lagerungsbehelfen und Apparaturen
  • Mitwirkung bei der Vorbereitung und Aufbereitung von Instrumenten und OP-Materialien
  • Administrative Tätigkeiten vom Einschleusen bis zum Ausschleusen der Patient:innen

Die Operationsassistenz ist Teil der medizinischen Assistenzberufe. Die Ausbildung dauert je nach Modell 8 bis 10 Montate und ist stärker auf praktische Unterstützung und Assistenz bei bestimmten Eingriffen fokussiert.

OTA – Operationstechnische Assistenz mit Fachwissen

Zeitgleich wird der Operationssaal von unseren OTAs vorbereitet. Instrumente werden bereitgestellt, medizinische Geräte überprüft sowie kalibriert und das Sterilgut aufbereitet. Patient Steiner wird währenddessen bereits zur Schleuse gebracht. Hier wird der Patient für die OP in Empfang genommen.

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© tirol kliniken / Gerhard Berger

OTAs arbeiten eng mit Chirurg:innen, Anästhesis:tinnen und OP DGKPs zusammen. Im Berufsalltag instrumentieren Sie in allen operativen Fachrichtungen und bereiten erforderliche Instrumente, Apparate und Materialien für die Operation vor. Weiters stellen Sie durch Vorbereitung und Koordination von Arbeitsabläufen sicher, dass die Operationseinheit für die Durchführung operativer Eingriffe funktionsfähig ist (Beidiensttätigkeit, unsterile Assistenz).

Während der Operation führen Sie operationsspezifische Lagerungen und Positionierungen durch und üben Assistenztätigkeiten aus. Ebenso übernehmen Sie die OP-Dokumentation, sowie die Übernahme und Übergabe der Patientinnen/Patienten und deren Daten vor und nach der Operation.

Typische Aufgaben:

  • Eigenverantwortliche perioperative Betreuung und Versorgung der Patient:innen (MAB-G §26a (1))
  • Mitwirkung bei der Planung und Organisation des Operationsbetriebes
  • Im Bedarfsfall Teilnahme an den OP-Planungsbesprechungen, Einbringen von fachlicher Expertise, Einhaltung der Vereinbarungen
  • Koordination des zugteilten OP-Bereichs, Anleitung, Aufsicht und Beratung der OP-Assistent:nnen / Auszubildenden und Unterstützungskräfte
  • Prä- und postoperative Betreuung der Patient:innen im Operationsbereich inkl. fachgerechter, operationspezifischer Lagerung bzw. Positionierung der Patient:innen
  • Frühzeitige Erkennung von und adäquate Reaktion auf kritische Situationen, rechtzeitige Informationsweitergabe
  • Instrumentieren in allen operativen Fachrichtungen

Die OTA ist in Österreich ein relativ neuer Beruf und wurde 2022 gesetzlich als eigenständiger Gesundheitsberuf eingeführt. Die OTA-Ausbildung dauert drei Jahre und ist praxisorientiert, mit Schwerpunkt auf technische Abläufe und organisatorische Unterstützung im OP.
Die OTA ist kein Pflegeberuf im engeren Sinne, sondern gehört – ähnlich wie die Pflegefachassistenz – zum gehobenen Dienst im Gesundheitsbereich.

Besonderheiten der Ausbildung:

  • 3-jährige spezialisierte Ausbildung mit Abschlussprüfung
  • Kein pflegerischer Grundberuf nötig
  • Schwerpunkt auf Technik, OP-Ablauf, Hygiene und Dokumentation

OP-DGKP – Diplomierter Gesundheits- und Krankenpflegfachkraft mit Sonderausbildung im OP

Für Patient Steiner beginnt seine Operation – die Anästhesie trifft die letzten Vorbereitungen und geleitet ihn sanft in den Schlaf. Der Startschuss für die Hüft-TEP ist gefallen. Simon, OP-DGKP, ist heute die rechte Hand der Chirurgen und assistiert. Jeder Hebel, jede Zange, jedes Instrument liegt exakt dort, wo es sein soll – für jede Operation gibt es eine vorgeschriebene Art, wie der Tisch gedeckt wird. Simon reicht den Chirurgen die Instrumente, ohne dass sie etwas sagen müssen. Er kennt den Ablauf in- und auswendig.

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© tirol kliniken / Lisa Sistad

Als DGKP mit OP-Sonderausbildung ist Simon für den gesamten pflegerischen Ablauf im Operationssaal zuständig. Dazu gehört nicht nur das Instrumentieren während der Operation, sondern auch die Betreuung der Patient:innen vor und nach dem Eingriff, die Planung und Dokumentation des Pflegeprozesses sowie die Sicherstellung von Hygiene- und Qualitätsstandards.

Typische Aufgaben:

  • Die Pflege im Operationsbereich umfasst die Vorbereitung, Mitwirkung, Überwachung und Nachbetreuung bei operativen Eingriffen
  • Mitwirkung bei der Planung und Organisation des Operationsbetriebes
  • Im Bedarfsfall Teilnahme an den OP-Planungsbesprechungen, Einbringen von fachlicher Expertise, Einhaltung der Vereinbarungen
  • Koordination des zugteilten OP-Bereichs, Anleitung, Aufsicht und Beratung der OP-Assistent:nnen / Auszubildenden und Unterstützungskräfte
  • Prä- und postoperative Betreuung der Patient:innen im Operationsbereich inkl. fachgerechter, operationspezifischer Lagerung bzw. Positionierung der Patient:innen

Der Weg zur OP-DGKP beginnt mit der dreijährigen Grundausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson – meist an einer Fachhochschule. Diese Ausbildung qualifiziert zur Pflege in sämtlichen Bereichen des Gesundheitswesens.

Im Anschluss kann eine Sonderausbildung im Operationsbereich absolviert werden. Diese dauert in der Regel ein Jahr berufsbegleitend und vermittelt spezielles Wissen über Instrumentieren, OP-Hygiene, Patientensicherheit und interdisziplinäre Zusammenarbeit im OP. Zusätzlich wird in einigen Fällen eine Weiterbildung in Anästhesie- oder Intensivpflege kombiniert.

Besonderheiten der Ausbildung:

  • Hochschulische Ausbildung (Bachelor-Niveau)
  • Zugang nur mit abgeschlossener DGKP-Ausbildung
  • Sehr breite pflegerische und fachliche Kompetenz

Fazit: Drei Berufe, drei Perspektiven – ein Ziel

Während Herr Steiner sich noch von der OP erholt und bald seine neue Hüftprothese genießen kann, steht für unser Team aus OP DGKPs, OTAs und Operationsassistent: innen schon der nächste Eingriff an: Eine gebrochene Schulter muss versorgt werden.

Alle drei Berufe haben unterschiedliche Ausbildungen und Aufgaben, aber immer ein gemeinsames Ziel: eine sichere, professionelle und menschliche Versorgung im Operationssaal. Welcher dieser Wege der richtige ist, hängt von den Interessen, Stärken und beruflichen Zielen ab – aber jeder einzelne trägt dazu bei, dass bei im OP alles reibungslos funktioniert. Um es mit den Worten von OP DGKP Wolfgang zu sagen:

Im OP ist Verlässlichkeit das A und O. Jede Rolle ist klar definiert, und nur wenn alle reibungslos zusammenarbeiten, kann ein Eingriff sicher und effizient ablaufen. Als Pflegeleitung ist es meine Aufgabe, die Abläufe so zu gestalten, dass das Team bestmöglich arbeiten kann. Vertrauen, Kommunikation und Fachkompetenz sind die Grundlagen dafür, dass Patientinnen und Patienten bei uns bestmöglich versorgt werden.

*Name von der Redaktion geändert