Die Pflege befindet sich im Wandel – auch an den tirol kliniken. Wollen Pflegekräfte Karriere machen, blieb bisher meist nur der Weg zur Leitung oder in Richtung Praxisanleitung. Mit der seit Mitte 2024 installierten Koordinationsstelle für Advanced Practice Nurses (APNs) und Pflegewissenschaft haben die tirol kliniken einen wichtigen Schritt gesetzt, um Pflegekräften eine weitere Schiene in Richtung fachliche Weiterentwicklung und Karriere zu ermöglichen.
Doch was machen Advanced Practice Nurses und wie kann man das überhaupt werden? Helmut Täubl, Koordinator für ANP und Pflegewissenschaft an den tirol kliniken erklärt in unserem Interview, was hinter diesem Konzept steckt.
Was macht eine Advanced Practice Nurse (APN) konkret?
Advanced Practice Nurses sind Pflegepersonen mit Berufserfahrung, die sich auf einzelne Bereiche spezialisieren und somit ein grundsätzliches Know-How mitbringen.
Sie arbeiten direkt mit den Patient:innen, sind oftmals stärker in einer beratenden Rolle von Betroffenen und Angehörigen tätig und machen für diese Gruppe auch Schulungen. Zusätzlich unterstützen sie die Kolleg:innen mit ihrem Fachwissen und leiten diese an.
Neben diesen Tätigkeiten liegt der Fokus auf interprofessioneller Zusammenarbeit oder sie beteiligen sich mit ihrer Expertise auch an Forschungsprojekten in der Pflege und wirken bei der Entwicklung von nationalen oder internationalen Leitlinien im jeweiligen Fachbereich mit.
Praxis trifft auf Wissenschaft: Warum ist diese neue Rolle in der Pflege notwendig?
Im Gesundheitsbereich haben wir zunehmend mit Spezialisierungen zu tun – sei es auf medizinischer oder auf pflegerischer Ebene. APNs können durch ihre Spezialisierungen in einem bestimmten Fachgebiet Aufgaben übernehmen, bei denen es vorher eventuell Lücken im Versorgungsprozess gab. APNs sind damit eine wichtige Ergänzung und können durch koordinierende und beratende Aufgaben auch die Mediziner im Behandlungsprozess entlasten.
Was auch wichtig ist: APNs haben aufgrund ihrer universitären Ausbildung die Fähigkeit, praktische Erfahrungen mit einem wissenschaftlichen Blick zu verbinden. Dadurch schaffen sie neue Inputs für die Verknüpfung der Pflegepraxis mit der Pflegewissenschaft und entwickeln neue Herangehensweisen für die tirol kliniken und das österreichische Gesundheitssystem insgesamt.
Welche Möglichkeiten gibt es, um APN zu werden?
Mit der Pflegeausbildung auf universitärem Niveau wurde die Möglichkeit des Masterstudiums Advanced Nursing Practice geschaffen – dieses gibt es auch an der UMIT Tirol (Advanced Nursing Practice | UMIT TIROL).
Für Pflegekräfte, die bereits Berufserfahrung haben und sich auf ein Thema spezialisiert haben, bringt das Master-Studium das vertiefende Know-How, wie sie ihr spezielles Fachwissen strukturieren und wissenschaftlich interpretieren können.
Dieses Wissen hilft einerseits in der täglichen Arbeit mit den Menschen, andererseits können sich die APNs als anerkannte Expert:innen auch in Fachgremien zur Entwicklung von Leitlinien einbringen oder Projekte wissenschaftlich begleiten. Wichtig ist auch die nationale und internationale Vernetzung zu anderen Spezialist:innen.
Apropos internationale Vernetzung: Das Konzept der APN ist ja in anderen Ländern schon lang gelebte Praxis.
Ja, das stimmt. Im englischsprachigen Raum gibt es die APNs zum Beispiel schon schon seit den 1960er Jahren, in der Schweiz wurden sie zu Beginn der Jahrtausendwende installiert.
Österreich hat da noch Aufholbedarf, aber wir merken bereits jetzt, dass die APNs in österreichweiten Gremien, bei medizinischen Fachgesellschaften und auch auf internationaler Ebene anders als Expert:innen wahrgenommen und zunehmend eingebunden werden.
Pionierinnen in Tirol: Welche APNs wurden an den Tirol Kliniken bereits installiert?
An den tirol kliniken haben wir derzeit drei APNs installiert: Verena Friedrich und Hannah Bernögger am Landeskrankenhaus Innsbruck und Andrea Eiter am Landeskrankenhaus Hall.
Verena Friedrich bringt eine langjährige Erfahrung im Bereich Demenz und Delir mit und hat sich ihr Fachwissen über viele Jahre hinweg durch Fortbildungen und praktische Arbeit aufgebaut. In der Initiative „Demenz braucht Kompetenz“ der tirol kliniken nimmt sie als APN eine entscheidende fachliche Rolle ein. Sie ist mittlerweile als Expertin auf nationaler und internationaler Ebene anerkannt und wirkt beispielsweise an der Entwicklung des deutschen Expertenstandards für Demenz/Delir mit.
Hanna Bernögger ist als APN im Bereich Transplantationspflege tätig und eng in das innovative Telehealth-Projekt der Transplantationschirurgie eingebunden. Sie ist im Rahmen des Projekts erste Ansprechperson für Patient:innen rund um eine Transplantation der Leber und koordiniert deren individuelle Betreuung über einedigitale Plattform. Ihre Rolle als „Gatekeeper“ ist neu und ermöglicht damit eine maßgeschneiderte Versorgung der Patient:innen und eine Schonung der Ressourcen.
Andrea Eiter ist als APN für Alterstraumatologie am Landeskrankenhaus Hall tätig. Sie ist auf der Orthopädie-Trauma-Station verortet, betreut aber das gesamte Haus fachlich in diesem Bereich. Ihre Spezialisierung basiert auf langjähriger Erfahrung – für ihr Fachgebiet gibt es derzeit keinen eigenen Lehrgang, weshalb sie sich ihr Wissen individuell erarbeitet hat. Sowohl im Sinn der Sturzprävention, Sturzfolgenprävention als auch im Bereich des Entlassungsmanagements profitieren Patient:innen, Angehörige und das interprofessionelle Team von ihrem Fachwissen.

Wie kann man sich an den tirol kliniken als Pflegekraft weiterentwickeln und APN werden?
Für unsere Mitarbeiter:innen aus der Pflege ist die Advanced Practice Nurse eine neue Möglichkeit, eine Fachkarriere als Expert:in zu machen und bestehende Versorgungsstrukturen zu erweitern.
Meine Aufgabe als Koordinator ist es, Personen zu begleiten, die eine Fachkarriere einschlagen wollen – entweder sind es solche, die Wissenschaft mit Praxis verbinden wollen und sich deshalb zur APN ausbilden lassen. Oder es sind Pflegekräfte, die langjährige Berufserfahrung haben, sich bereits in ein Thema intensiv eingearbeitet haben und sich weiterentwickeln wollen.
Wir schauen uns für jeden und jede Interessentin die Optionen individuell an und stimmen uns intensiv mit dem jeweiligen Bereich (Pflegedirektion, Pflegedienstleitung und direkte Vorgesetzte), in denen die Mitarbeiter:innen tätig sind.

Helmut Täubl ist Koordinator für ANP & Pflegewissenschaften. Er koordiniert Wissenschafts- und Forschungsaktivitäten in der Pflege, bei MTD und Hebammen an den tirol kliniken in Abstimmung mit Partner:innen in diesem Bereich (z.B. die FH Gesundheit.


