Vapes – Gefährlicher Trend für junge Lungen

Vapes – Gefährlicher Trend für junge Lungen

Sie sind bunt, handlich und in verlockenden Geschmacksrichtungen erhältlich: Vapes haben sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Trendprodukt entwickelt. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben sich E-Zigaretten stark verbreitet.

Vapes sind elektronische Geräte, die mithilfe eines akkubetriebenen Heizelements eine Flüssigkeit („Liquid“) erhitzen. Das dabei erzeugte Aerosol (häufig als „Dampf“ bezeichnet) wird eingeatmet. Die Liquids enthalten oft Nikotin, Aromastoffe und sonstige Zusatzstoffe. Anders als bei herkömmlichen Zigaretten wird kein Tabak verbrannt, dennoch gelangen beim Inhalieren verschiedene Stoffe in die Atemwege und die Lunge.

Aktuelle Daten der ESPAD-Erhebung rund um Jugendkonsum, Suchtverhalten und Trends zeigen, dass 29 Prozent der 14- bis 17-Jährigen innerhalb der letzten 30 Tage E-Zigaretten konsumiert haben. Vapes werden in dieser Altersgruppe häufiger genutzt als klassische Zigaretten (23 Prozent). Fachleute sehen darin eine besorgniserregende Entwicklung, da E-Zigaretten häufig den ersten Kontakt mit nikotinhaltigen Produkten darstellen.

Vermeintlich ungefährlich

Ihr modernes Design, ansprechende Aromen und der fehlende Rauchgeruch lassen Vapes oft harmlos erscheinen. Doch dieser Eindruck täuscht. Nur weil Vapes nicht wie klassische Zigaretten aussehen oder riechen, sind sie keineswegs unbedenklich.

Ass.Prof. Priv. Doz. Dr. Thomas Sonnweber, PhD ist leitender Oberarzt an der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin
Ass.Prof. Priv. Doz. Dr. Thomas Sonnweber, PhD ist leitender Oberarzt an der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin

Welche Auswirkungen E-Zigaretten auf die Gesundheit haben, welche Risiken für Lunge und Atemwege bestehen und warum gerade junge Menschen besonders gefährdet sind, erklärt Ass. Prof. Priv. Doz. Dr. Thomas Sonnweber, PhD als leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Innsbruck und Pneumologe im Interview:

Welche gesundheitlichen Risiken sind mit dem Vapen verbunden?

Bezüglich der Herz-Kreislauf-Risiken sind vor allem die Wirkungen von Nikotin auf das kardiovaskuläre System gut untersucht. Die Nikotinaufnahme kann beim Vapen je nach Konsumverhalten, Gerät, Inhalationstechnik und Liquidzusammensetzung ähnlich hoch oder sogar höher sein als beim Zigarettenkonsum. Nikotin erhöht kurzfristig die Herzfrequenz und den Blutdruck und aktiviert das sympathische Nervensystem.

Der eingeatmete Dampf von Vapes besteht nicht nur aus Wasserdampf. Die enthaltenen Aerosole können Schleimhäute und Atemwege reizen, Entzündungsreaktionen fördern und die natürliche Immunabwehr der Atemwege beeinträchtigen. Zudem können sie oxidativen Stress auslösen, der Zellen und Lungengewebe schädigen kann. Häufig berichtet werden Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen, Heiserkeit, Mundtrockenheit und Atembeschwerden wie Kurzatmigkeit oder pfeifende Atemgeräusche durch verengte Atemwege und vermehrte Schleimproduktion, sowie ein Engegefühl in der Brust. Bei Menschen mit Asthma und anderen chronischen Lungenerkrankungen können Beschwerden verstärkt werden.

Neben Nikotin sind im Aerosol von Vapes in der Regel zahlreiche weitere potenziell gefäßtoxische Substanzen enthalten. Dazu zählen Feinstaub und Carbonylverbindungen (z. B. Acrolein, Formaldehyd), für welche ebenfalls ein Einfluss auf die Gefäßfunktion nachgewiesen ist. Bereits ein kurzfristiger regelmäßiger Konsum kann die Gefäßfunktion beeinträchtigen.

Welche Langzeitfolgen sind bisher bekannt – was ist noch unklar?

Da Vapes erst seit etwa 15 Jahren in größerem Umfang genutzt werden, sind viele Fragen bezüglich möglicher Langzeitschäden durch Vape-Konsum noch nicht geklärt. Als belegt gelten insbesondere bei nikotinhaltigen Vapes das Risiko einer Nikotinabhängigkeit sowie der Zusammenhang zwischen Vapen im Jugendalter und späterem Konsum weiterer Nikotinprodukte.

Neben diesen bekannten Risiken des chronischen Vape-Konsums, gibt es zahlreiche Bedenken bzgl. möglicher Langzeitfolgen. Hierzu zählen neben dem Auftreten chronischer Lungenerkrankungen (z.B. COPD), auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine mögliche Erhöhung der Inzidenz von Krebserkrankungen. Diesbezüglich ist besonders die Problematik der Mehrfachnutzung verschiedener Nikotinpräparate (z.B. Zigaretten und Vapes) zu erwähnen, welche den Großteil der langfristigen Vape-Nutzer:innen betrifft und mit einem erhöhten Risiko für Langzeitkomplikationen einhergehen könnte.

Welche Risiken bestehen für Jugendliche?

Die Nutzung von Vapes durch Jugendliche wird aktuell besonders kritisch gesehen, da der Konsum in dieser Altersgruppe sehr stark zunimmt und die Verwendung nikotinhaltiger Präparate während der Entwicklungszeit ein besonderes Risikoprofil aufweist. Da die neurologische Entwicklung in dieser Altersgruppe noch nicht abgeschlossen ist, sind neben Störungen der Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Lernfähigkeit auch dauerhafte neurologische Einschränkungen nicht auszuschließen.

Besonders relevant ist bei Jugendlichen und Nichtraucher:innen die mögliche Funktion von Vapes als Einstieg in den Tabakkonsum. Studien zeigen hierzu, dass die Verwendung von Vapes in der Jugend mit einem drei- bis vierfach erhöhten Risiko eines späteren Zigarettenkonsums einhergeht. Im längeren Verlauf zeigt sich, dass ein Großteil der Vape-Nutzer:innen einen Mehrfachkonsum betreibt (z. B. Zigaretten und Vapes oder Pouches und Vapes).

Das harmlose Design der Vapes erinnert oft an bunte Textmarker oder Lippenpflege-Stifte.
Das bunte Design der Vapes erinnert an harmlose Textmarker oder Lippenpflegestifte und spricht Jugendliche besonders an.

Sind Vapes weniger schädlich als Zigaretten?

Auch wenn viele Fragen zur Schädlichkeit des langfristigen Vapens derzeit noch nicht klar zu beantworten sind (z.B. Interaktion verschiedener Aromastoffe, Effekte der Trägersubstanzen auf die Atemwege und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Langzeitnutzung, etc.), wissen wir, dass der konventionelle Zigarettenrauch deutlich mehr potenziell schädliche Chemikalien (ca. 7.000) und Kanzerogene (ca. 70) als regulierte Vape-Aerosole enthält. Zu beachten sind aber auch weitere Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Tatsache, dass Vape-Nutzer:innen deutlich häufiger zur unkontrollierten Dauernutzung neigen, dass die verschiedenen Liquids stark unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen und, dass die Erhitzungstemperatur Einfluss auf das Entstehen von Toxinen und Kanzerogenen hat. Während kurzfristige schädliche Wirkungen bereits gut untersucht sind, sind potenzielle Langzeitschäden noch nicht ausreichend bekannt.

Die Inhalation von Vape-Aerosolen ist als gesundheitsschädlich einzustufen und stellt insbesondere für Jugendliche ein gesundheitliches Risiko dar.

Hat sich das Konsumverhalten im Vergleich zu klassischen Zigaretten verändert?

Das Konsumverhalten stellt eine besondere Problematik bei der Nutzung von Vapes dar. Beim konventionellen Zigarettenrauchen gibt es typische zeitliche, räumliche und quantitative Muster, etwa eine fünfminütige Zigarettenpause im Innenhof oder den Konsum von zehn Zigaretten pro Tag. Bei der Vape-Nutzung finden sich diese Muster häufig nicht mehr. Im Englischen wird hierbei von „Grazing“ gesprochen, was eine unkontrollierte Dauernutzung von Vape-Produkten (Vape wird in der Hand behalten und unbewusst ständig genutzt) beschreibt und zu einer hohen kumulativen Belastung führt. Darüber hinaus sind die Doppelnutzung von Vapes und Zigaretten sowie die Mehrfachnutzung weiterer Nikotinprodukte (z.B. Nikotin-Pouch, Heets) von hoher Relevanz, da sie bei einem Großteil der Vape- Nutzer:innen vorliegen.

Welche Altersgruppen fallen besonders auf?

Es ist bekannt, dass Vape-Nutzung besonders in der Altersgruppe zwischen 13 und 24 Jahren verbreitet ist. In dieser Gruppe finden sich nicht nur die höchsten Nutzungsraten (ca. 10-15 % aller Jugendlichen in Österreich), sondern auch die stärksten Zuwächse. Besonders hervorzuheben sind hierbei Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, bei denen in den letzten Jahren die stärksten Nutzungssteigerungen zu verzeichnen waren. In dieser Gruppe zeigte sich zuletzt auch die Besonderheit, dass der für Nikotinprodukte typische Gender Gap kaum mehr vorhanden ist (nahezu gleich viele Mädchen wie Jungen nutzen Vape-Produkte). Ein weiterer bedenklicher Trend ist die gleichzeitige Nutzung mehrerer Nikotinprodukte durch Jugendliche, wobei vor allem der Einsatz von nikotinhaltigen Pouches unter Jugendlichen stark zugenommen hat.

Welche Botschaft möchten Sie als Experte der Bevölkerung mitgeben?

Wir können aktuell davon ausgehen, dass das gesundheitsschädliche Potenzial von Vapes niedriger ist als das des konventionellen Zigarettenkonsums. Dessen ungeachtet stellen auch Vape-Produkte ein relevantes Gesundheitsrisiko dar. Besonders problematisch ist die stark steigende Nutzung unter Jugendlichen. Für Jugendliche gilt es die Botschaft zu vermitteln, dass Vapes keine harmlosen Lifestyle-Produkte sind und häufig zu langfristiger Nikotinabhängigkeit führen. In Bezug auf eine Raucherentwöhnung stellen Vape-Produkte vermutlich eine etwas weniger schädliche Alternative zum Zigarettenkonsum dar. Eine Entwöhnung durch Umstieg auf Vapes wird allerdings derzeit nicht empfohlen, da ein Suchtpotenzial bestehen bleibt und der Umstiegsversuch häufig zu einer Doppelnutzung von Zigaretten und Vapes führt. Somit bleiben etablierte Methoden zur vollständigen Tabak- und Nikotinentwöhnung das effektivste Mittel zur Reduktion gesundheitlicher Risiken.

Danke für das Interview.

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