Eine Depression ist heimtückisch. Sie schleicht sich mit leisen Schritten an und gibt sich zunächst unauffällig. Entfaltet sie ihre volle Wucht, legt sie sich wie eine tonnenschwere Rüstung auf die Betroffenen und zieht sie ins Bodenlose. Eine saisonal bedingte Form ist die Herbst- bzw. Winterdepression. Wie man sie bemerkt und welche Auswege es gibt, erklärt Univ.Prof. Dr. Eberhard Deisenhammer von der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie.


Univ.Prof. Dr. Eberhard Deisenhammer von der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie

Vermindertes Interesse, Antriebs- und Lustlosigkeit, sozialer Rückzug, Schlafstörungen, womöglich sogar Suizidgedanken. Die Symptome einer Depression sind vielseitig. Viele Betroffene haben keinen Spaß mehr an ihren sonst geliebten Hobbys, andere halten es nicht mal mehr aus, ihren Freunden beim Lachen zuzusehen. Für viele ergibt plötzlich nichts mehr Sinn. Ein Abwärtsstrudel beginnt.

Eine besondere Form der Depression ist die sogenannte “Herbst- bzw. Winterdepression”. Der Auslöser kann die Jahreszeit an sich sein. “Mittlerweile weiß man, dass die Menge an Licht, die auf die Erde einstrahlt, im Zusammenhang mit der Häufigkeit dieser Depressionsform steht”, sagt Univ.Prof. Dr. Eberhard Deisenhammer von der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie. Sprich: Im Herbst scheint die Sonne seltener und weniger intensiv und das bringt den Botenstoff Serotonin im Gehirn durcheinander.


Es kann jeden treffen

“Charakteristisch dafür sind starke Müdigkeit am Tag, vemehrter Appetit und somit mehr Kalorienzufuhr”, sagt Deisenhammer. Eine Herbst- bzw. Winterdepression sei eine saisonal bedingte Sonderform einer depressiven Erkrankung. Treffen kann eine Depression prinzipiell jeden. “Es gibt zwar bei den meisten psychiatrischen Erkrankungen genetische Zusammenhänge, aber nicht in jedem Fall”, sagt der Mediziner.

Wer depressive Symptome bei sich bemerkt, sollte sich rasch Hilfe holen, bevor es zu spät ist. Deisenhammer: “Eine Depression geht manchmal von selbst vorbei. Oft ist mit der Krankheit aber ein gewisses Suizidrisiko verbunden.” Erste Ansprechperson sei der Hausarzt, man könne sich aber auch direkt in fachärztliche Hände begeben. Für viele stellt das aber die größte Hemmschwelle dar.


Eine Depression kann jeden treffen

“Die Stigmatisierung psychiatrischer Erkrankungen ist leider immer noch nicht überwunden. Wir haben sicher ein Stück weit erreicht, dass Menschen leichter dazu stehen können, eine psychische Erkrankung zu haben und sie als ähnlich zu betrachten wie ein gebrochenes Bein oder ein Herzinfarkt.

Aber es gibt sicher noch sehr viel zu tun”, sagt Deisenhammer.  Tatsächlich habe eine psychiatrische Erkrankung nichts mit Verrücktsein oder Geistesgestörtheit zu tun: “Die menschliche Psyche kann durch bestimmte Ereignisse oder auch biologische Veränderungen beeinträchtigt sein.”


Was kann man tun?

“Man sollte die Möglichkeit nutzen, das Leiden und die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch eine Depression abzukürzen”, sagt Deisenhammer. Wer sich in fachärztliche Hände begibt, könne aus einer Vielzahl an Therapiemöglichkeiten wählen. Tatsächlich sei eine Lichttherapie eine Möglichkeit, die auch im begrenzten Ausmaß eingesetzt werden könne.


“Dabei wird künstlich generiertes Licht über Lichtduschen und Lichtboxen eingesetzt”, so der Mediziner. Wichtig dabei sei, dass das nur so lange wirkt, so lange es angewendet wird – im Idealfall also den ganzen Herbst und Winter lang. Zur Verwendung natürlichen Lichts gebe es wenige Studien. “Aber es ist sehr anzunehmen, dass auch die Nutzung vom Winterlicht, also beispielsweise ein Winterspaziergang in der Sonne, einen positiven Effekt haben kann.”

Wenn das nicht ausreicht, gibt es weitere Möglichkeiten. “Es gibt Medikamente, mit denen wir für jeden Patienten eine spezifische, individuelle Therapie finden können”, sagt Deisenhammer. Zusätzlich könne eine Psychotherapie eingesetzt werden, mit der fast allen depressiven Patienten gut geholfen werden kann.


Das gesamte Video-Interview:


https://www.youtube.com/watch?v=YslF-ANsPkY