Im September 2021 heißt es „Licht an für Patientensicherheit: Setzen wir ein Zeichen“. Bereits zum 7. Mal wird der 17. September als Internationaler Tag der Patientensicherheit von der WHO ausgerufen. Ziel der Initiative ist es, das Gesundheitswesen zu mobilisieren und das Thema Patientensicherheit prominent in die Öffentlichkeit zu rücken. Auch die tirol kliniken sind heuer wieder mit dabei!

Angehörige einbinden – Patientensicherheit fördern

In den tirol kliniken wird anlässlich dieses Themas eine oft vergessene aber besonders wertvolle Zielgruppe ins richtige Licht gerückt – die pflegenden Angehörigen. Denn wer kennt es nicht:

  • Eltern, die durch das regelmäßige Blutzuckermessen ihr an Diabetes erkranktes Kind vor Blutzuckerentgleisung bewahren.
  • Familien, die sich um die richtige Medikamenteneinnahme ihres demenzkranken Familienmitgliedes kümmern.
  • Angehörige, die sich telefonisch nach dem Zustand ihres Familienmitgliedes erkundigen.

Fest steht: Angehörige spielen in vielen Bereichen des klinischen Alltags eine wichtige Rolle. Vor, während und nach einem Aufenthalt im Krankenhaus. Als nahestehende Vertraute von unterstützungsbedürftigen Personen, können sie entscheidend zur Patientensicherheit beitragen. Damit einher geht aber auch eine große Verantwortung. Vor, während und nach den alltäglichen Aktivitäten des persönlichen Lebens.

Expertinnen-Interviews zu Angehörigenarbeit

Ein Rückblick der letzten 1,5 Jahre zeigt: COVID-19 stellte nicht nur ein erhöhtes Risiko für vorerkrankte PatientInnen dar; Abstandsregelungen, Kontaktminimierung und Ausgangsbeschränkungen bedeuten auch für pflegende Angehörige große Herausforderungen. Die Betreuung verlagerte sich nach Hause und das erhöhte den Druck auf Angehörige. Viele waren plötzlich mit neuen Tätigkeiten konfrontiert und mussten lernen, mit unbekannten Situationen umzugehen.

Unsere Fachexpertinnen aus den Bereichen „Diabetesmanagement“, „Psychosoziale Betreuung“ und „Entlassungsmanagement Pflege“ bringen in drei Expertinnen-Interviews die Vielseitigkeit des Themas ans Licht und zeigen Unterstützungsangebote auf. Folgende Fragen werden beantwortet:

  • „Wie können Angehörige zur Patientensicherheit beitragen?“
  • „Wie gelingt eine erfolgreiche Einbindung der Angehörigen im Sinne der Patientensicherheit?“
  • „Welche Herausforderungen und Chancen gibt es bei der Arbeit mit Angehörigen?“
  • „Welche Unterstützungsmöglichkeiten helfen Angehörigen weiter?“

Patientensicherheit bei chronischen Krankheiten

Sonja Ullrich, Diplompflegerin am LKH Hall und verantwortlich für das Diabetesmanagement betont, wie wichtig der Familienverband für chronisch Erkrankte ist. Diabetesmanagement ist ein komplexes Geschehen für PatientInnen und Angehörige. Blutzucker-Kontrolle, Insulin-Injektion, Berechnung des Kohlehydratgehaltes eingenommener Mahlzeiten, Sport und Ernährungsumstellung – alles, was für die richtige Therapie notwendig ist, beeinflusst das unmittelbare Umfeld. Umso wichtiger ist es vor allem bei älteren unterstützungsbedürftigen Personen oder beim Bestehen von sprachlichen Barrieren, Angehörige und Vertraute mit ein zu beziehen. Ein Lösungsansatz wäre laut Sonja Ullrich, im Einverständnis der betroffenen PatientInnen gemeinsame Schulungstermine abzuhalten – sowohl im ambulanten, als auch im stationären Setting – und Angehörige bei Kontrollterminen miteinzubeziehen.

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Psychosoziale Begleitung von PatientInnen und Angehörigen

Die unterstützende Rolle der Angehörigen ist für Manuela Sax, klinische Gesundheits- und Notfallpsychologin, vielseitig: im Akutbereich, beispielsweise bei notfallbedingten Operationen, kann die vollständige Anamneseerhebung entscheidend sein. Die von Angehörigen überbrachten Informationen zu Gesundheitszustand, Unfallhergang oder Vorerkrankungen reduzieren Gefahren und Fehler. Im Langzeitbereich, bei chronischen Erkrankungen oder stationären Aufenthalten, schaffen Angehörige vertraute Rahmenbedingungen und unterstützen durch persönliche Motivation. Für die richtige Begleitung der Angehörigen ist es besonders wichtig, klar und auf Augenhöhe zu kommunizieren und umfassend aufzuklären. Es gilt auf die persönlichen Bedürfnisse aller Rücksicht zu nehmen. Denn wie Manuela Sax aus Erfahrung weiß, befinden sich auch Angehörige von akut Betroffenen in physischen und psychischen Ausnahmesituationen.

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Entlassungsmanagement als entscheidende Brücke

Schon früh, während des stationären Aufenthaltes, müssen Angehörige für ein erfolgreiches Entlassungsmanagement mit einbezogen werden, betont Margarethe Rüf, Diplompflegerin – Entlassungsmanagement Chirurgie am LKH Innsbruck. Für eine nachhaltige Unterstützung von PatientInnen und Angehörigen kann eine gemeinsame Analyse der zu Hause gegebenen Rahmenbedingungen helfen: werden Hilfsmittel oder externe Versorgungsleistungen benötigt, müssen Anpassungen organisiert werden, um mögliche Risiken – beispielsweise der Sturzgefahr – zu minimieren? Zeit nehmen, Gespräche führen, Vertrauen aufbauen, jeden dort abholen, wo sie/er gerade ist – all das sind für Margarethe Rüf wichtige Aspekte, um die Basis zu schaffen, für einen Genesungsfortschritt während und nach dem Krankenhausaufenthalt.

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Schulung familiäre Pflege – kostenlose Unterstützung für Angehörige

In den tirol kliniken gibt es ein regelmäßiges und kostenloses Unterstützungsangebot für pflegende Angehörige: die „Schulung Familiäre Pflege“. Das eigens entwickelte Schulungsangebot richtet sich an familiäre Bezugspersonen, pflegende Angehörige aber auch an Personen, die sich für die Thematik interessieren, obwohl sie noch nicht persönlich betroffen sind. Das Schulungskonzept wurde in Zusammenarbeit mitdem BKH Reutte, dem Krankenhaus St. Vinzenz Zams und dem Landeskrankenhaus – Universitätskliniken Innsbruck entwickelt und bereits 2018 mit dem Österreichischen Integri Preis (Preis für Innovationen im Gesundheitsbereich) ausgezeichnet.

Die Schulungen finden monatlich statt und sind je nach ihren Schwerpunktthemen in zwei Teile gegliedert. Eigens ausgebildete TrainerInnen erklären Hilfsmittel, geben praktische Anleitungen und Beratung und zeigen Möglichkeiten auf, wie Bewegung kinästhetisch leichter funktionieren kann. Weitere Informationen zur Schulung Familiäre Pflege und zu den nächsten Schulungsterminen finden Sie hier.

 

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